Verräterische Metadaten auf dem Smartphone

Verräterische Metadaten auf dem Smartphone

Metadaten auf dem Smartphone erlauben mittlerweile Analysen des Benutzers. Dazu gehören beispielsweise mit wem der Benutzer liiert ist, welche Vorlieben er hat, was er mag und was nicht oder auch welche gesundheitlichen Probleme der Benutzer hat.

Was sind Metadaten? 

Grundsätzlich besteht jede Datei (selbst auf einem PC usw.) nicht nur aus ihrem ihrem Inhalt (beispielsweise einem Text aus einem Word-Dokument) allein, sondern trägt auch weitere Informationen in sich, die im Dateiverzeichnis abgespeichert sind. Das sind u. a. der Name vom Ersteller, Bearbeitungszeit, Angabe vom Datum der letzten Bearbeitung usw. und so fort. Daneben gibt es noch weitere Metadaten (die ich jetzt für viel bedenklicher bis gefährlicher halte), die in den Dateien selbst abgespeichert werden. Sie bleiben also auch dann erhalten, wenn sich der  Dateiname ändert. Diese Metadaten können sehr persönliche Informationen enthalten. Bei einem Bild können z. B. Werte enthalten sein, die Rückschlüsse auf den Urheber enthalten. So könnten u. U. eigene anonym eingestellte Nacktbilder im Internet zu dem Macher oder zu dem Ort des Geschehens zurückverfolgt werden. Ein Umstand den viele Strafverfolgungsbehörden schon gern öfter genutzt haben.

Es lässt sich also erkennen, dass Programme auf einem Smartphone diese Daten mit beliebigen Metadaten versehen können (bei einer Fotokamera durchaus auch vorteilhaft).  Das Problem ist nur, dass man es nicht unbedingt erkennen kann, wo an welcher Stelle diese in einer Datei gespeichert worden sind, welche dann übertragen werden und zu wann und noch viel schlimmer, an wen. Es gibt zwar einige Programme, auch Spezialprogramme, aber die mächtigen Tools zum Auslesen und Auswerten besitzen (neben vielleicht einigen gewieften Hackern) nur die Behörden bzw. Geheimdienste.

Das es längst schon Realität geworden ist und überhaupt keine Schwierigkeit mehr darstellt, beweiste ein Experiment. Ende November 2013 starteten die Wissenschaftler der Universität Stanford im US-Bundesstaat Kalifornien ein Experiment mit Testusern und einer speziellen App, welche die Metadaten der User fleißig sammelte. Anhand dieser Metadaten wollten die Wissenschaftler beweisen, dass die vermeintlich harmlosen Informationen genügen, einen Menschen sehr einfach zu charakterisieren und damit Vorhersagen treffen zu können. Bereits nach zwei Wochen konnten die Wissenschaftler anhand der gesammelten Daten genaue Vorhersagen (Übereinstimmungen bis zu 70%) über die Person treffen. Das ganze ist nun 4 Jahre her und man überlege, was sich in der Zwischenzeit alles getan hat.

Alles über einen User lässt sich also mit sehr einfach Mitteln vorhersagen und herausfinden. Dazu benötigt man keinerlei illegale „Schadprogramme“ mehr, sondern braucht nur die Programme bzw. Apps, welche sich ohnehin schon vorinstalliert (als Betriebssystem) auf dem Smartphone befinden oder welche man sich (warum wohl oft kostenlos ;-)) runterladen kann.

Es gibt sogar eine gesetzliche Richtlinie für diese Art der Erfassung von Daten, die alle kennen dürften: Die Vorratsdatenspeicherung. Eine EU-Richtlinie schreibt den Mitgliedsstaaten die Erfassung von Metadaten vor. In vielen Ländern speichern Telekommunikationsanbieter deshalb neben eigenen internen, inoffiziellen Informationen auch Informationen über Telefonate, Standortdaten oder die genaue Gerätekennung für einen bestimmten Zeitraum ab, damit Behörden im Ermittlungsfall darauf zugreifen können.

Viele mögen hier nun argumentieren: „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.“ Aber dieser Satz ist in zweierlei Hinsicht völlig fehl am Platz, wovon ich den einen etwas weiter beleuchten werde.

Den meisten Analysten aus dem wirtschaftlichen Sektor interessiert es nicht, was bislang war, sondern was noch kommen wird. Es geht im Klartext um die Zukunft des Konsumenten. Mittels der bislang erfassten Daten sollen zukünftige Ereignisse beeinflusst und gesteuert werden. Wie gut es schon funktioniert, lässt sich sehr einfach für den einzelnen schon erkennen, wenn dieser z. B. nach etwas im Internet gesucht hat und später genau für diese Dinge passende Werbung angezeigt bekommt. Die globalisierte Konsumentensteuerung geht noch viel weiter, als man glauben wollte. Unternehmen bestimmen anhand von automatisierten Algorithmen, wer wie was benötigen wird, erstellen daraus dann passende Profile und steuern damit das Verhalten von Menschen.

Die angelegten Profile der Benutzer sind mittlerweile wertvoller als Gold und werden von professionellen Datensammlern an entsprechende Unternehmen verkauft, sofern diese nicht schon selber fleißig Daten sammeln.

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