Notaufnahmen weiter überlastet

Patienten sollen an niedergelassene Arztpraxen überwiesen werden

Überfüllte Notfallambulanzen in Krankenhäusern, überlastete Ärzte und zunehmend genervte Patienten. Patienten, die kein „Notfall“ sind, sollen an niedergelassene Arztpraxen überwiesen werden. Das Chaos im Gesundheitssystem ist perfekt.

Die Definition „Notfall“ ist in meinen Augen für die Allgemeinheit sehr schwammig formuliert. Wann beginnt ein solcher „Notfall“ bzw. ab wann wird hier eine Grenze gezogen? Wie und kann ich überhaupt, als Patient (oder Angehöriger, Begleitperson) immer erkennen, ob es sich um einen (ernsten) „Notfall“ handelt oder nicht? Als Laie doch schwer bis gar nicht möglich und für einen Arzt? Wie kann, will und soll ein Arzt, das innerhalb von zwei Minuten entscheiden können? Mit welcher Eindeutigkeit lassen sich Herz- oder Hirninfarkte oder andere Möglichkeiten diagnostizieren? Gerade wenn diese oftmals nicht die typischen Symptome der jeweiligen Krankheit zeigen. Beispielsweise wo im Normalfall auch unbedingt eine zeitnahe Behandlung erfolgen sollte?

Eine entsprechend niedergelassene Arztpraxis liegt für die etwas abseits lebende Bevölkerung oftmals nicht in der Nähe und/oder lässt sich nur schwer erreichen. Gerade für Personen, ohne eine Fahrmöglichkeit, Behinderte oder ohne Kleingeld für ein Taxi, ist das nicht so einfach zu bewerkstelligen und wäre u. U. dann vielleicht auch schon zu spät.  

https://www.nwzonline.de/gesundheit/hannover-gesundheit-notaufnahmen-weiter-ueberlastet_a_32,0,3698680770.html

Neue Regeln gelten seit 1. April. Patienten, die kein „Notfall“ sind, sollen an niedergelassene Arztpraxen überwiesen werden.

Wie Fälle in der Notfallaufnahme aktuell so behandelt werden, wurde mir schon berichtet. Vielleicht war dieser Fall ja auch nur ein reiner Ausnahmefall; ich will und kann es nicht weiter bewerten. Da wurde eine Patientin im Krankenhaus nicht weiter behandelt, obwohl sie akute Schmerzen und Probleme im Bereich des Kopfes hatte und der eigene Hausarzt nicht erreichbar war. Eine Vertretung war ebenfalls nicht zu erreichen. Da sie noch halbwegs laufen könne und auch nicht so aussehe, als würde sie jetzt sterben, wäre sie momentan kein „Notfall“. Sie sollte daher den nächsten niedergelassenen Facharzt konsultieren. Problem war nur, dass dieser 25 km entfernt (nahe Oldenburg) lag und die Patientin weder einen Führerschein besaß, noch ein öffentliches Verkehrsmittel zu dem Zeitpunkt in Anspruch nehmen konnte. Ihr teilte man noch mit, dass man doch sicherlich Freunde, Bekannte oder Nachbarn hätte, die einen ja fahren könnten.

Mal ehrlich, so fühlt man sich doch wirklich als Patient „zweiter Klasse“. Dem ganzen Prozedere ein „Krönchen“ setzte allerdings der niedergelassene Arzt auf. Er (oder die Sprechstundenhilfe) konnte nur einen Termin vergeben, der zwei Wochen in der Zukunft lag. Ich möchte und darf das jetzt zwar nicht überspitzen, aber mir kommt schon fast der Satz „Willkommen, das Sterben geht mit solchen Vorgängen jetzt noch schneller“ über die Lippen. 

Sicher und ohne Frage darf man sagen, dass die Notfallpraxen oft genug wegen Nichtigkeiten und zu Zeiten von Patienten konsultiert werden, wo man das auch vorher hätte anders regeln können. Auch ist nicht jeder Patient überhaupt ein Fall für den Arzt; manchmal täte für einige sicherlich auch ein einfaches Pflaster mit ein wenig „Heile-Puste“ ausreichen. Aber ich erlebe selber oft genug, dass zu bestimmten Zeiten (Beispiel Wochenende oder an Feiertagen) Ärzte nicht zu erreichen sind und wo die einzige Möglichkeit dann die Notfallaufnahme wäre.

Fakt ist doch, dass sich eine Krankheit keinen passenden Termin aussucht und dass man jederzeit die Möglichkeit haben sollte, einen Arzt aufzusuchen, ohne weggeschickt zu werden. Wenn die Praxen und Notfallaufnahmen wegen Überfüllung sich das nicht mehr leisten können, sollte man sich ernsthaft fragen dürfen, was hier falsch läuft. Liegt es nur am fehlenden Personal oder vielleicht nicht auch daran, dass in den letzten Jahren immer mehr Krankenhäuser wegen roter Zahlen ihre Pforten schließen mussten. Natürlich dank des Privatisierungswahns, welcher bei roten Zahlen eine Schließung empfiehlt, sofern nicht doch noch staatliche Unterstützungen fließen sollten. Liegt es nicht auch daran, dass Ärzte auf dem Land nicht mehr genug verdienen können und mehr in Richtung Großstadt oder gleich ins benachbarte Ausland ziehen müssen?

Sicherlich lässt sich ein weiterer Grund auch im Detail dieser Notfall-Regelung finden:

http://www.focus.de/gesundheit/arzt-klinik/news/krankenhaeuser-klagen-arzt-soll-in-2-minuten-ueber-notfall-entscheiden-das-ist-unzureichend-und-skandaloes_id_6994013.html

Seit April gilt die neue Notfall-Regelung. Danach soll ein Arzt in Rekordzeit klären, ob ein Patient in der Notaufnahme zu einem niedergelassenen Arzt geschickt werden kann oder sofort in der Klinik behandelt werden muss. Gefährdet das die Versorgung der Patienten?

Und in der Tat erlebt man als Kassenpatient so manches Mal sein blaues Wunder. Es geht in vielen Häusern ähnlich wie auf einem Fließband zu. Wartezeit trotz Termin, 3 Stunden, Gespräch beim Arzt 5 Minuten und dann weg. Der Arzt und seine Patienten sind aber nun mal keine Maschinen und selbst Letztere machen Fehler. Dabei sind viele Krankheiten vielleicht auch nur psychischer Natur. Anstatt ad hoc dem Patienten „blaue“ und „rote“ Pillen zu verschreiben, sollten die Ärzte vielleicht die Möglichkeit bekommen, sich für ihre Patienten deutlich mehr Zeit nehmen zu können. Oder noch besser zu müssen und auch zu dürfen. Bei einem längeren Gespräch stellt sich beispielsweise das wöchentliche Herzrasen mit Schweißausbrüchen und Durchfällen vielleicht am Ende nur als eine Angst heraus. Vielleicht vor der bösen Schwiegermutter, welche immer Sonntags zu Besuch kommt. Hier würde dann einfaches Baldrian oder ein ordentlicher Doornkaat hinter der Binde reichen. Unter Umständen erspart man sich dadurch 10 weitere Termine bei weiteren Fachärzten und sogar auch noch unnötige Behandlungen (Operationen).

 

 

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