Die Verkaufsabsichten des Mutterkonzerns Airbus

Die sichtbare Doppelmoral beim Thema „Premium Aerotec“

Wie schön, dass es noch Politikerinnen in der Region gibt, die sich für diese Region auch wirklich noch mit ganzer Kraft einsetzen wollen.

…„Ich werde diesen Prozess eng begleiten“, betonte die Abgeordnete während ihres Besuchs im Werk am Riesweg: „Die Zukunft der 1500 Beschäftigten ist entscheidend.“…

Hoffen wir also, dass sie dann noch Zeit für ihre anderen Aufgaben finden wird, ohne dabei wegen körperlicher Schwächung am Ende umzufallen. Aber da ja bei vielen anderen Politikern neben den normalen Amtsgeschäften auch noch Nebentätigkeiten zeitlich kein Problem mehr darstellen, sollte sie das wohl ja erst recht alles problemlos meistern können. Ich bin da wirklich sehr zuversichtlich. Daher „Daumen hoch!“.

Premium Aerotec
Sicherheit der Mitarbeiter geht bei Verkauf vor
https://www.nwzonline.de/friesland/wirtschaft/varel-premium-aerotec-sicherheit-der-mitarbeiter-geht-bei-verkauf-vor_a_50,0,2250260496.html

Es ist wieder einmal bezeichnend, dass der politische Mitleidstourismus immer dort Halt machen muss, wo es auch ein großes mediales Echo danach dann geben darf bzw. wo man sich (und die vom Wähler abgestrafte SPD) gleich einmal für alle öffentlich wieder profilieren darf.

Vor 10 Jahren gab es schon einmal einen riesigen Aufschrei in der Region Varel. Damals gab es schon Pläne zum Verkauf. Jeder rannte mit so einem Aufkleber „Wir sind Airbus“ rum. Daran kann ich mich noch gut erinnern. Es ließ sich damals sehr gut erkennen, wer zu Airbus eine direkte oder auch indirekte Verbindung hatte.

Zum Glück (für die Arbeiter und die Region) entschied man sich damals dann doch noch anders. Aber wer damals in der Schule im Fach „Wirtschaft“ gut aufgepasst hatte, hätte damals schon wissen müssen, dass „aufgeschoben“,  eben nicht „aufgehoben“ bedeutet. Und wen interessiert schon das lächerliche Geschwätz von vor 10 Jahren, wie man jetzt hier wieder unverblümt feststellen darf.

Ich möchte zudem nicht wissen, welche politischen Gelder aus dem Steuersäckle damals geflossen sind, um die Entscheidung vertagen zu dürfen. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass man mittels einer Drohkulisse Regionen unter Druck setzen kann und wo die Politik mit großzügigen Subventionen die Wirtschaft besänftigen darf. Beispiele gibt es genug, wie hier:

Die neue Großzügigkeit
Unternehmen schreien nach staatlicher Hilfe – und die Politik zeigt sich großzügig. Dabei schieben Subventionen die Probleme nur auf die lange Bank.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/subventionen-die-neue-grosszuegigkeit-1.367280

Der Witz an der ganzen Sache ist, dass die Politik sich anschließend feiern lässt und dass mit den Subventionen vom Unternehmen weiter investiert werden darf, während die Arbeiter nur einen Bruchteil davon abbekommen, dafür aber noch weitere Jahre „in Lohn und Brot“ stehen dürfen, bis das Geheule von vorne wieder losgehen darf.

Würde Politik wirklich funktionieren, hätte man vor 10 Jahren schon Nägel mit Köpfe machen müssen. Auch die Politik hätte die Wirtschaft in die Mangel nehmen müssen. Das funktioniert aber bekanntlich nur, wenn die Politik sich auch wirklich frei und unabhängig bewegen kann und sich nicht in einer ständigen Abhängigkeit (gerade wenn Politiker in den Vorständen sitzen dürfen) von der Wirtschaft befindet.

Varel und das Airbus-Werk
25.000 Menschen, eine Angst
Das Städtchen Varel ist im Ausnahmezustand: Airbus-Mitarbeiter blockieren ihr Werk, das nach dem Willen des Managements verkauft werden soll. Bürgermeister und Landrat stärken ihnen den Rücken. Die ganze Stadt ist entsetzt – nur einer sieht in der Krise eine Chance.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/varel-und-das-airbus-werk-25-000-menschen-eine-angst-a-469247.html

„Wir sind Airbus“-Aufkleber begehrt
Der Aufkleber kostet drei Euro. Er ist im Airbus-Betriebsratsbüro erhältlich. Viele Busse sollen am 16. März gen Hamburg rollen.
https://www.nwzonline.de/friesland/wirtschaft/wir-sind-airbus-aufkleber-begehrt_a_5,1,1071722439.html

Was viel schlimmer ist und warum ich letztendlich auch diesen Artikel hier schreibe:

Ich frage mich heute wieder (wie auch schon damals), wo denn alle waren, als die letzten kleineren Unternehmen oder auch gerade Einzelunternehmer in der Umgebung von Varel und Friesland Hilfe benötigten, bevor diese alle in die  Insolvenzen schlitterten. Wer einmal nachschauen möchte, ob  da bekannte Namen drunter waren, kann das hier gleich online tun; man bekommt sogar gleich aktuelle Ergebnisse geliefert.

Vielleicht habe ich es nur nicht mitbekommen oder auch übersehen (dann möge man mir meine Unwissenheit verzeihen), aber ich habe bei vielen kleinen Unternehmen keinen Politiker und keinen Airbus-Mitarbeiter auf der Straße demonstrieren sehen, keinen gesehen, der sich für ein (anderes) Unternehmen eingesetzt hatte. Auch in den Medien war es kaum ein Thema. Hier da, war mal zu lesen, dass wieder einmal ein altes Unternehmen die Türen geschlossen hatte. Das war es dann aber auch schon. Aber auch verständlich. 15 Mitarbeiter von einer kleinen Schlosserfirma interessieren eben auch nicht so wie 1500 Mitarbeiter von einem weltbekannten Unternehmen.

Es ist schon eine interessante  Welt in der wir da so leben. Es wird überall gelogen und geheuchelt. Angefangen vom kleinen Arbeiter (von ganz unten, der aus dem Chor „Man kann ja doch nichts machen“) bis hin in die obersten Etagen der Politik und Wirtschaft.
Allgemein kann ich dabei immer folgendes beobachten bzw. feststellen. Solange nicht ein Mensch persönlich von einem Leid betroffen ist, interessiert es diesen Menschen oft herzlich wenig, was mit einem anderen Menschen passiert.
Ich bin mal gespannt, wie lange es dauern wird, bis die alten Aufkleber und Transparente wieder auf der Straße zu sehen sein werden, wo man sicher sein darf, dass es hier auch eine direkte Verbindung dazu gibt.

Und damit mich keiner missversteht. Ich bin schon für den Erhalt des Werkes, ebenso für den Erhalt oder auch Ausweitung der Arbeitsplätze. Aber diese Doppelmoral, welche ich seit Jahren auf der Straße, in den Medien und auf Seiten der Politik beobachte, empfinde ich als abstoßend.

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