Die Privatisierung der Bundespost brachte viele Nachteile mit sich

Als die „Posträuber“ zuschlugen und die Kunden sich „gelb ärgern“ mussten

Die Deutsche Bundespost wurde 1947 (bis 1950 noch als Deutsche Post) gegründet. Sie wurde im Rahmen der Postreform 1995 aufgelöst und in die privatrechtlichen Aktiengesellschaften Deutsche Post AG, Deutsche Telekom AG und Deutsche Postbank AG übergeleitet. Durch die Privatisierung (ich nenne es lieber „Verscherbeln des staatlichen Tafelsilbers“) entzog sich der Staat von einem Teil seiner öffentlichen Aufgaben. Diese Aufgaben sollten ab da nun private Unternehmen durchführen. Man versprach sich davon mehr Effizienz und damit mehr Gewinn am Ende. Doch am Ende erwies sich diese Hoffnung für die meisten als haltlos. Nur wenige haben sich seit der Privatisierung der Deutschen Post „den Arsch jedes Jahr vergolden lassen“ und diese Namen kennen wir aus der normalen Presse.

https://youtu.be/VR3I4VgObMA

 

 

Wer die Nachrichten nach der Privatisierung aufmerksam studiert hatte, dem dürfte nahezu immer eines aufgefallen sein. Gewinne und die Bezüge bei den Vorständen stiegen, während die Kunden spürbare Leistungsverschlechterungen hinnehmen mussten. Auch mussten durch die Privatisierung sämtliche Beamte weiter mit „durchgeschleppt“ werden, da man sie ja nicht so einfach wie Normalangestellte „rausschmeißen“ konnte.  Hier hätte man aber sicher auch sparen können, da ja schon vor der eigentlichen Reform einige wenige Beamte offensichtlich nichts zu tun hatten oder Stellen besetzten, die überhaupt keine Funktion mehr besaßen.

Durch die Neustrukturierungen sahen sich nach der Reform viele gute Mitarbeiter mit neuen Arbeitsfeldern konfrontiert. Feldern, mit denen sie vorher nichts zu tun hatten. Durch moderne und sündhaft teure Management-Unternehmensberater (Das Wort „Beraten“ setzt sich übrigens aus den beiden Wörtern  Betrügen und Verraten zusammen) wie McKinsey & Co. wurden neue und unsinnige Geschäftsfelder, nur zum Zwecke der Gewinnsteigerung erschaffen. Andere, bislang gut funktionierende, wurden abgeschafft. Credo im neuen Unternehmen: Es sollten Kosten gesenkt und Gewinne gesteigert werden. Die Aktionäre wollten ja am Ende auch immer ihr Geld sehen.

Wie gut das so funktioniert hatte und welche Luftlöcher geschaffen wurden, hatte man zuletzt ja bei der Deutschen Telekom gesehen. Viele hatten sich zum Schluss damit auf doppelte Weise verspekuliert.

 

Die Verschlankung ging auf jeden Fall zulasten der Arbeitnehmer. In wenigen Jahren strich man fast 200.000 Stellen. Die Deutsche Post wurde damit zum Meister des Stellenabbaus. Auf anderer Seite bemühte man sich später um Neueinstellungen, auch um andere immer wieder wegfallende Stellen auszugleichen. So setzte man immer mehr auf prekäre Arbeitsverhältnisse. Minijobs und Leiharbeit wurden zum Renner. Diese Stellen lösten meist sozialversicherungspflichtige Stellen ab. Ebenso setzte man auf externe Dienstleister, die meist für noch weniger Geld (und gefördert durch die Arbeitsagenturen) die Jobs übernahmen. Würde man mich nach einem Ort der modernen Sklaverei fragen, so könnte man die Deutsche Post vielleicht schon mit dazu gesellen.

 

Leider merkt man diesen Trend der modernen Verschlankung anhand der Motivation der Mitarbeiter. Immer mehr Beschwerden laufen bei der Post auf und selbst ich kenne die Probleme. Z . B. mit verspäteten oder verschwundenen Briefen (nicht angekommen), Einschreiben (wurde später in einer 15 Kilometer entfernten Filiale aufgefunden) oder auch Paketen (eines ist verschwunden, ein anderes wurde erst nach einem halben Jahr zugestellt). Kataloge wurden einfach und ohne vorher zu klingeln,  vor die Haustür geworfen und lagen u. U. stundenlang im Regen vor der Haustür, bis jemand die durchnässten Seiten entdeckte. Selbst ein abonniertes PC-Fachmagazin (damals in unserer ersten Wohnung) kam immer erst Tage später (und deutlich gelesen) bei mir an. Aber ehrlich? Ich kann es verstehen.

Derzeit läuft es zwar viel besser, aber Probleme gibt es dennoch, welches man mit mehr regulären großen Filialen und mehr Mitarbeitern lösen könnte. Das würde aber die Gewinne am Ende wieder schmälern. Also wird sich da auch nichts mehr tun.

Wenn Mitarbeiter sich nicht mehr dem eigenem Unternehmen identifizieren können, was sollte man da denn auch anderes erwarten? Der Laden „Deutsche Post AG“ hätte daher für mich staatlich bleiben und lieber von dort „verschlankt“ werden müssen. Das vieles damals vielleicht nicht ganz so rund lief, lag doch in erster Linie am lahmen Staatsapparat, an den typischen Verhaltensweisen von einigen Beamten und noch mehr von den inneren verkrusteten und verstaubten Strukturen.

Überhaupt sehe ich die Privatisierung  bei vielen staatlichen Unternehmen eher negativ. Gerade bei denen, welche für die Öffentlichkeit arbeiten, wo jeder Bürger also letztendlich mit als Nutznießer daran beteiligt ist.

In den letzten Jahren gab es bei der Deutschen Post zusätzliche Management-Berater, die für weitere Verschlankungen sorgen durften. Nun waren die Filialen dran. Mittlerweile befinden sich in Kiosken, Supermärkten, Bäckereien usw. die s. g. „Postagenturen“, die wiederum privat bewirtschaftet werden.

In Varel wich das große Postgebäude (was jetzt abgerissen wird) an der Hauptstraße auch einem Neubau. Für mich ein Ärgernis. Ich muss jetzt extra in die Innenstadt fahren und die Parkplatzsuche ist damit auch nicht mehr ganz so einfach.

 

https://www.nwzonline.de/friesland/wirtschaft/varel-geschichte-so-ging-in-varel-einst-die-post-ab_a_50,1,167215856.html

https://www.nwzonline.de/friesland/wirtschaft/varel-stadtentwicklung-anfang-maerz-beginnt-der-abriss_a_50,0,3773261607.html

https://www.nwzonline.de/friesland/politik/varel-post-vareler-wollen-mehr-briefkaesten_a_50,0,3826213726.html

Aktuell zeichnet sich ein weiterer Trend auf. Die automatisierten Packstationen sorgen jederzeit weiter dafür, dass keine Mitarbeiter und keine Räumlichkeiten mehr gebraucht werden. Auch lassen sich mittlerweile schon online Briefmarken und Paketscheine drucken. Das freut die Konzernspitze und die Aktionäre. Der/die freundliche uniformierte Mitarbeiter/in am Schalter (Einen lieben Gruß an meine Lieblings-Beamtin dort, die wirklich ein Vorbild für viele ihrer Kollegen und Kolleginnen ist), verblasst bald immer mehr in der Erinnerung.

 

Ich bleibe dabei. Ich wünsche mir die alte Post (mit echten und freundlichen Menschen hintern den Schaltern) zurück, die es mal gab. Wer sich positiv zur Privatisierung äußert, kann nur ein Nutznießer von diesem perversem System sein oder hatte noch nie Ärger mit diesem. Gemeinwirtschaftlich gesehen, hat es der Allgemeinheit keinen Nutzen gebracht, sondern nur weitere Kosten und Ärger.

https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Bundespost

https://de.wikipedia.org/wiki/Postreform

http://www.fb03.uni-frankfurt.de/49005923/Privatisierung_Der-grosse-Postraub_Blaetter_I_2014.pdf

https://www.tagesspiegel.de/meinung/war-die-privatisierung-der-post-ein-fehler/7111502.html

Ex-Postchef
Zumwinkel bekommt 20 Millionen Euro Pension
Er muss eine Geldbuße von einer Million Euro zahlen, bekommt aber 20 Millionen Euro Pension: Die Deutsche Post hat ihrem Ex-Chef Klaus Zumwinkel seine gesamten Pensionsansprüche ausgezahlt. Im Rahmen der Spitzelaffäre bei der Telekom wurden seine Häuser in Italien und Köln durchsucht.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/ex-postchef-zumwinkel-bekommt-20-millionen-euro-pension-a-613241.html

 

Steuerhinterziehung
Zumwinkel zu 24 Monaten auf Bewährung verurteilt
Milde Strafe für Deutschlands prominentesten Steuersünder: Klaus Zumwinkel wurde vom Landgericht Bochum zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von einer Million Euro verurteilt.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/steuerhinterziehung-zumwinkel-zu-24-monaten-auf-bewaehrung-verurteilt-a-603534.html

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