NWZ: „Arbeiten im Ruhestand – Ohne Arbeit fehlt ihnen etwas“

Klar, meistens fehlt wohl eher das Geld

Arbeiten Im Ruhestand – Ohne Arbeit fehlt ihnen etwas
Ob im Hofladen, in der Schule oder als Kurierfahrer: Immer mehr Senioren aus dem Landkreis Friesland gehen im Ruhestand arbeiten. Arbeiten gehört für viele einfach zum Leben dazu.
https://www.nwzonline.de/plus/varel-arbeiten-im-ruhestand-ohne-arbeit-fehlt-ihnen-etwas_a_50,1,886507773.html

Wer zeitlebens als Arbeitnehmer in der Wirtschaft oder als Beamter, über den Schnitt vieler anderer verdienen bzw. Bezüge beziehen durfte und sonst keine Hobbies gehabt haben mag, wird sich über Langeweile im Ruhestand sicherlich beklagen dürfen.

So mancher geht ja auch sehr zeitig gegenüber anderen (die kurz nach Renteneintritt oft zusammenklappen) in Vorruhestand, Rente bzw. Pension. Vorher total bewegungsunfähig und psychisch krank, blühen einige im Ruhestand plötzlich auf und haben dann genügend Zeit, ihre gesammelte Million und die weiter fließenden Zahlungen auf dem Konto zu verprassen. Wer kennt nicht selbst so einige? (Natürlich will ich das keinesfalls pauschalieren, da es sich meist um Einzelfälle handelt, aber trotzdem einmal so offen ansprechen, damit die Dramatik dahinter etwas klarer wird)

Ganz krass die Politiker, die nach kurzer Zeit enorme Ansprüche erreichen dürfen, die manch ein Arbeitnehmer nach 45 Jahren nicht einmal erreichen würde.

Ein Bundestagsabgeordneter muss mindestens zwei Legislaturperioden (acht Jahre) im Parlament durchhalten, um sich eine Mindestpension von knapp 1.700 Euro zu sichern. Gezahlt wird ab dem 65. Geburtstag. Wer länger im Bundestag bleibt, kann früher Pension bekommen. Höchstens 4.800 Euro nach 23 Parlamentsjahren ¿ aber das ist bereits mit 55 Jahren möglich.
http://www.rp-online.de/politik/deutschland/diese-ruhegehaelter-bekommen-unsere-politiker-bid-1.2230192

Noch deutlicher wird es hier:

Deutsche Politiker bekommen so viel Rente, dass ein Normalbürger dafür 168 Jahre lang arbeiten müsste
https://www.huffingtonpost.de/2017/11/28/deutsche-politiker-bekommen-so-viel-rente-dass-ein-normalburger-dafur-168-jahre-lang-arbeiten-musste_n_18668392.html

Wer glaubt denn aber wirklich, dass die meisten im Ruhestand arbeiten, weil die Arbeit einfach dazu gehört? Selten so eine verfälschte Verallgemeinerung gelesen.

Die Rentner, die ich persönlich kenne, gehen arbeiten, weil sie entweder mit ihrer freien Zeit nichts weiter anfangen können, ohnehin schon alles haben und sich langweilen oder (und das sind die meisten) aber, weil ihnen schlichtweg das Geld fehlt und sie im Alter einfach noch arbeiten müssen, damit sie ihre Miete etc. noch bezahlen können. Auch damit evtl. am Wochenende noch mal eine Kaffeefahrt zu Bauer Ewalds Prickingshof und der Kauf einer überteuerten Rheumadecke mit drin sein darf.

Man mag ja Sand in die Augen vieler streuen wollen, wenn man ernsthaft den Leuten mit Ausnahmebeispielen und verklärten Vorstellungen erzählen möchte, wie toll man sein Rentnerleben mit noch weiterer Arbeit bereichern kann. Das täuscht nicht über die wahren Probleme vieler anderer Rentner hinweg und hier hätte man den Bericht weiter ansetzen müssen. Eine Schlagzeile für Teil 2 „Viele Rentner müssen arbeiten, weil die Rente nicht mehr ausreicht.“ hätte ich hier dann noch erwartet. Eine Sicht über die Rentner-Armut in Varel.

Die Rente reicht? Das mag ja bei vielen vielleicht so sein, wenn man Ansprüche inzwischen auf ein Minimum schrauben durfte und nicht mehr weiterdenken möchte. Spätestens aber, wenn das Pflegegeld bei einem Rentner-Ehepaar nicht mehr ausreichen sollte, wird dort auch „Klein-Erna“ etwas merken. Und zwar, dass auch die laufenden Zahlen und das zusammengesparte Klein-Häuschen die weiteren (Folge-)Kosten nicht mehr tragen können. Wenn ein Partner dann versterben sollte und keine Vorsorge getroffen wurde, wird so mancher älterer (noch gesunde) Mensch sich wieder beim Tüten packen an der Kasse oder vielleicht Werbesendungen austragen, wiederfinden dürfen. Nur um damit noch die Miete (nachdem das Häuschen von der Pflege aufgefressen wurde) noch zu bezahlen.

Kurzum: Dieser Bericht soll wohl suggerieren, dass die heutige Rentner-Generation sich lieber freuen soll und kann, anstatt sich zu beklagen. Da passt auch die letzte Nachricht mit der Rentenerhöhung wunderbar mit rein.

https://www.nwzonline.de/politik/angleichung-von-ost-und-west-deutlich-steigende-bezuege-fuer-21-millionen-rentner_a_50,1,640065455.html

Wurde die NWZ für Stimmungsmache gefördert oder denken wirklich viele Menschen überdurchschnittlich so? Milliarden wurden bekanntermaßen aus der Rentenkasse und anderen sozialen Systemen geplündert und nun sollen sich alle über die kommende „Rentner-Almosen“ i. H. v. wenigen Prozent von der ach so tollen Koalition freuen? Für wie dumm werden die Rentner gehalten oder für wie dumm lassen sich die meisten noch weiter halten?

Dazu:

Walter Riester und seine Riester-Rente

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.