Obenstrohe (Varel) – Der neue EDEKA-Markt

Verständlich, aber mir stellen sich da auch noch andere Fragen

Bei einem Informationsabend wurden nun die Pläne für den neuen Edeka in Obenstrohe einem interessierten Publikum vorgestellt. Zuerst möchte ich betonen, dass es in Obenstrohe schon einmal mehrere Möglichkeiten zum Einkaufen gab und die Älteren auf dem Dorf, das damals schon immer sehr schätzten. Wer kann sich nicht an die Zeit von Haßmann, Metje (später Heitmann) erinnern, wo ein Schnack mit den Leuten immer dazu gehörte. Der Dorftratsch machte dort meistens die erste Runde. Das allgemeine Sterben der Tante-Emma-Läden, riss dann auch diese beiden Läden am Ende noch zusätzlich mit, auch wenn andere Gründe selbstverständlich auch noch mehrere Rollen dabei spielten.

Mittlerweile sind die kleinen Märkte verschwunden und Obenstrohe ist gerade auch durch das Airbus-Werk zu einem Dorf von mehr gut situierten Bewohnern geworden. Das machte sich im Ausbau des Dorfes in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark (u. a. durch gestiegene Grundstückspreise und große Neubauten) und sichtbar bemerkbar. Ein Markt mit einer größeren Einkaufsmöglichkeit ergibt daher auch Sinn.

Dass man das alte Hassmann Gebäude so herunterkommen hat lassen, war für mich trotzdem „Berechnung“. Aus dem Gebäude hätte man damals mehr machen können, was ich ja hier schon einmal beschrieben hatte. Jetzt wäre eine mögliche Sanierung zu spät und zu kostenintensiv. Ebenso hat man vermutlich „gesetzliche Fristen“ bewusst und legal für die Vorhaben still verstreichen lassen. Nun lassen sich viele geplante Projekte offiziell in Angriff nehmen.

Was vielleicht auf den ersten Blick für viele sinnvoll aussieht, hat aber durchaus Kalkül. Und zwar weniger jetzt für die Bewohner, weil man ihnen etwas Gutes tun wollte, sondern für ein Wirtschaftsimperium namens EDEKA. Wenn man jetzt EDEKA und Netto zusammenziehen lässt, hat man die geballte Marktmacht von EDEKA auf einem Fleck sitzen. Man sollte wissen, dass Netto auch nur ein Tochterunternehmen von dem Marktführer EDEKA ist. Dass EDEKA und Netto nun zusammengezogen werden, hat also für EDEKA einen zentralen Vorteil.

Die Frage, ob es neben Edeka weitere Interessenten für dieses Objekt gebe, wurde übrigens mit einem knappen „Ja“ beantwortet. Hier sehe ich natürlich auch einen gewissen Druck dahinter, um etwas durchsetzen zu können. Wer würde sich nicht lieber für etwas entscheiden, wovon man auch selbst einen Vorteil hätte. Ob es so ist, wissen wir nicht und selbst wenn. Irgendwo laufen die Fäden immer wieder bei einem bekannten Unternehmen zusammen. Wirkliche Konkurrenz gibt es daher kaum noch. Das meiste ist reine Augenwischerei um den Bürgern suggerieren zu wollen, dass sie Einfluss und Entscheidungsmöglichkeiten hätten.
Wer wissen möchte, wer wirklich hinter einem Unternehmen sitzt, sollte in meinem Beitrag 10 Konzerne lenken den Einkaufswagen einmal reinschauen.

Wirtschaftsunternehmen rechnen eben anders, als eine „kleine Obenstroher Kauffrau aus dem Schwabenländle“ es machen würde (wenn diese ihre Rechnungen innerhalb eines Jahres bezahlen müsste). Für mich bewahrheiten sich nun viele der damaligen „Gerüchte“, dass man es so einkalkuliert hatte. Alt-Obenstroher müssten eigentlich (neben dem Glücklichsein) ebenso weinen, wenn sie nun erfahren, wie sich der inzwischen „zentrale Schandfleck“ verwandeln soll. Offiziell liest sich das natürlich (wie so oft) anders und die Politiker verhalten sich ruhig.

Es wird sich für die Bewohner, im Gegensatz zu vorher, kaum noch die Frage stellen, wo man denn zum Einkaufen hingehen möchte. Auch nicht (und nun entscheidend) ob man nicht lieber gleich zur größeren Wiese namens famila und Co. fahren würde. Dort, wo man auch noch ein größeres Sortiment auf einem Fleck (und nebenan auch noch ALDI) finden würde. Das hat man zukünftig nun auch in veränderter Form in Obenstrohe.

Damit wäre mein Beitrag bzw. mein Kommentar zum Thema eigentlich schon zu Ende. Aber wo ich gerade dabei bin, möchte ich noch folgendes los werden, da viele Wege auch wieder Richtung Obenstrohe und Innenstadt führen.

Andere Fragen

Warum gibt es im famila-Varel noch immer so viele gut erkennbare (man schaue einmal genau hin) Leerstände? Warum lässt die Stadt nicht zu, dass sich dort ein Fischmarkt ansiedelt? Hätte man Joschis beliebte Fischbude dort nicht mit integrieren können? Warum gibt es dort keine Apotheke, eine Postagentur oder ein Bekleidungsgeschäft (das könnte man sich vielleicht wohl denken). Und bei all diesen Sachen orientiere ich mich hauptsächlich an den anderen bekannten Märkten und nicht nur an die von famila allein. Das bekannte Oldenburger Unternehmen NANU-NANA hatte wohl (nach Hören und Sagen) auch eine Anfrage gestellt, um nach Varel zu kommen. Ob nun im Innenstadt Bereich oder im famila, weiß ich nicht.

Dass die Innenstadt quasi tot ist; liegt es nicht auch an den horrenden Mieten und fehlenden bzw. zentralen Parkmöglichkeiten? Das erzählte mir z. B. ein ehemaliger Ladenbesitzer. Von meiner Seite kann ich nur sagen, dass es ein Witz ist. Auf der einen Seite möchte man mehr zahlenden Publikumsverkehr in der Innenstadt haben. Auf der anderen Seite scheinen einige wohl hauptsächlich aber wohl an ihrem eigenen Wohl interessiert und gegen Konkurrenz zu sein.

Links und weitere Hintergründe zum Thema:

Noch offene Fragen zu Edeka
Bei einem Informationsabend wurden die Pläne für den neuen Edeka in Obenstrohe vorgestellt. Wie er am Ende aussieht, ist aber noch nicht klar.
https://www.nwzonline.de/friesland/wirtschaft/obenstrohe-ortsentwicklung-noch-offene-fragen-zu-edeka_a_50,1,1759695761.html

Info-Abend zu neuem Edeka in Obenstrohe
https://www.nwzonline.de/friesland/wirtschaft/obenstrohe-einzelhandel-info-abend-zu-neuem-edeka-in-obenstrohe_a_50,1,1208860256.html

Neuer Edeka ist „gefährlicher Präzedenzfall“ für die Stadt
https://www.nwzonline.de/friesland/wirtschaft/varel-obenstrohe-ortsentwicklung-neuer-edeka-ist-gefaehrlicher-praezedenzfall-fuer-die-stadt_a_50,1,492566433.html

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