Varel – 7 Apotheken in der Stadt, aber keine hat Notdienst

Das Gesundheitssystem lässt Kranke lieber krepieren

Krankheiten kommen immer relativ spontan und sind daher nicht (wie z. B. ein gerade beginnender Fußpilz) plan- und behandelbar. Wer außerhalb der normalen geschäftlichen Arztzeiten krank werden sollte, kann meistens nur auf die Hilfe einer Apotheke zurückgreifen. Solange es sich nicht um ernsthafte Erkrankungen oder Unfälle (Herzinfarkt, Enthauptung & Co.) handeln sollte, durchaus hinnehmbar. Nur was bringt es, wenn kein Laden mehr, seine Pforten für kranke Menschen geöffnet hat?

Auch heute wieder. Ich wurde gebeten, für einen schwerkranken Menschen (Behindert, bettlägerig, höchste Pflegestufe) ein Medikament zu besorgen, weil dieser einen akuten Hustenanfall mit Atemnot bekam. Seine Frau kann solche Dinge nicht, weil sie ihn nicht alleine lassen kann und daher grundsätzlich immer auf fremde Hilfe angewiesen ist. Nun könnte man meinen, dass es ja kein Problem sei, mal eben ein Mittelchen aus einer hiesigen Apotheke zu besorgen, aber ich wurde wieder einmal eines Besseren belehrt.

Nach aktuellem Stand und Suche gibt es in Varel 7 (in Worten „sieben“) Apotheken:
https://www.aponet.de/service/apotheke-finden/suchergebnis/26316/-/0.html

7 Apotheken (wenn ich richtig gezählt habe) in diesem kleinen Nest. Doch am Wochenende hat außerhalb der normalen Zeiten davon keine auf. Nun denn auch verständlich, dafür gibt es ja auch dann den Apotheken-Notdienst. Also mal schnell schauen, welche von den 7 Apotheken dann eben Notdienst hat. Okay, in Varel keine, aber dafür in Bockhorn. Na klasse …

Kann mir bitte schön mal jemand erklären, warum es in der Stadt Varel 7 Apotheken gibt, aber keine davon Notdienst hat?

7 Apotheken. Warum werden diese nicht verpflichtet, abwechselnd ihre Türen offen zu halten? Jeweils einmal pro Woche. Wo ist das Problem?

Das ist nicht das erste Mal. Ich habe auch schon einmal meiner kranken Mutter helfen müssen. Auch war es damals wieder an einem Wochenende gewesen. Nur damals war es etwas ernster.

Ich war mit ihr an einem Sonntag zum Krankenhaus, weil sie starke Schmerzen im Unterleib verspürte (dass daraus später eine Operation resultierte, interessiert hier nicht weiter). Zum Glück gibt es im Krankenhaus einen ärztlichen Notdienst. Wir waren also direkt dorthin und der Arzt verschrieb meiner Mutter ein Medikament. Nun weiß man als Vareler ja, dass es auch im Krankenhaus eine Apotheke gibt, doch diese hatte zu.

Auch hier:

Es verrate mir bitte jemand, was für einen Sinn es ergeben soll, wenn ich im Krankenhaus eine Apotheke habe, welche trotz Patienten (im Krankenhaus sollte man wohl ständig welche haben) nicht ständig geöffnet hat. Noch bescheuerter, weil ein Notdienst im Krankenhaus ja auch Medikamente verschreibt, die man dann eigentlich sofort bekommen könnte. Wie weit soll so etwas noch gehen. Das ist einfach nicht nur realer Irrsinn; das ist einfach nur bekloppt.

Also flugs zurück zum Arzt und nachgefragt. Er schaute nach und sagte uns dann, dass man nach Bockhorn fahren müsse, die hätten wohl offiziell Notdienst.

Also rein ins Auto und ab nach Bockhorn zu der Apotheke mit dem Notdienst. 10 Kilometer Fahrt mit einer kranken Frau auf dem Beifahrersitz. In Bockhorn ankommend, sahen wir dann schon wütende Menschen vor der Apotheke stehen. „Die hat nicht auf, die in Zetel hätten Notdienst, steht hier auf einem Zettel an der Tür“ riefen sie uns zu. Also noch einmal weitere 5 Kilometer fahren. Große Klasse dachte ich mir. Zum Glück hatte die Apotheke dann in Zetel auf und meine Mutter konnte ihr Medikament bekommen, was leider auch nur für eine kurze Zeit Linderung brachte.

Was ich damit sagen will. Es gibt in einer Stadt so viele Apotheken, doch keine hat nach Feierabend, an einem Feiertag bzw. am Wochenende Notdienst. Da kann doch was nicht passen.

Ich frage jetzt einmal ernsthaft:

Wie soll jemand, der schwer erkrankt ist, kein Fahrzeug hat oder auch gar nicht in der Lage wäre, selbst zu fahren, in der Lage sein, sich sein Medikament zu holen.

Weiter noch: Dass Ärzte kaum noch Hausbesuche machen und der Notarzt unter 112 deswegen immer öfter gerufen werden muss, kann ich mittlerweile verstehen. Auch verstehe ich es, wenn der Notdienst im Krankenhaus immer öfter konsultiert werden muss, weil kaum noch ein Arzt Hausbesuche macht.

Das Gesundheitssystem lässt die eigene Bevölkerung aus Kostengründen verrecken. Es geht auch in der medizinischen Versorgung (den Versicherungen, den gesetzlichen Kassen, den Ärzten, Krankenhäusern, Apotheken usw.) am Ende nur noch allein um die „nackten schwarzen Zahlen“. Der Patient steht hinten an.

Der Patient, der sich ein Taxi leisten kann, kann sich die notwendige und verordnete Medizin vielleicht noch selbst besorgen, aber wie soll es ein kranker, älterer Mensch noch können? Und wie soll es ein Mensch, der ohnehin auf soziale Hilfe angewiesen ist? Ob ein Arbeitsloser seine Quittung von der Taxifahrt später vielleicht seiner Arge vorlegen kann, damit sie ihm das Geld zurückgeben bzw. seine Schulden beim Taxiunternehmer zu bezahlen? Ich bezweifle das stark, auch wenn es andere gibt, die es pauschal können und dürfen. Gewollte Zustände, weil ein Großteil der Bevölkerung (denen es noch gut geht) es ja auch nicht verstehen will.

Also noch einmal:

Warum gibt es in Varel 7 Apotheken mit Ladenöffnungszeiten wie beim Schlachter? Warum gibt es eine Apotheke im Krankenhaus mit gewerkschaftlichen Öffnungszeiten?

Warum gibt es beispielsweise keine Apotheke im famila-Supermarkt? famila hat in der Woche bis 21 Uhr auf und noch genügend Leerstand bzw. Kapazität  für eine Apotheke (und auch noch andere Läden), die noch länger als 18:30 Uhr auf hätte. Warum lässt das die Stadt Varel nicht zu? Das würde ja schon vielen vielleicht in der Woche helfen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.