Vareler Stadtfest fällt aus

Späte Erkenntnis von gesellschaftlichen Entwicklungen

Sponsorengelder, verändertes Konsumverhalten usw. werden im Artikel genannt. Das sind natürlich alles nachvollziehbare Gründe. Aber auch die gestiegenen Kosten bei den Schaustellern und erhöhte Standgebühren sorgten dafür, dass viele nicht mehr nach Varel kommen wollten. Sie wollten wohl auch nicht mehr, wie mir einer der Schausteller berichtete. Ohne weiteren Einblick zu haben, kann ich solch einer Aussage natürlich auch nur Glauben schenken. Nachvollziehen könnte ich es aber schon.

Seien wir trotzdem ehrlich. Die Zeiten, wo man mit wenig Geld Spaß in der Stadt haben konnte, wo es noch gepflegte Partys, ohne große Sauer- und andere Hauereien gab, sind längst vorbei. Klar, Zoff gab es irgendwie immer, aber das war meistens früh gut zu erkennen. Es ging auch relativ fair zu. Heute blitzen Messer schon auf, wenn einer nur schräg einen anderen anschaut. Raub, Erpressung usw.. Man bekommt in den sozialen Netzwerken mehr mit, als aus den öffentlichen Medien.  Polizeiliche Kontrollen und hartes Durchgreifen, dass gewisse Typen gar nicht mehr dort erscheinen können? Mehr ein Witz (da kenne ich jetzt zufällig selbst so einen).

Es war mal schön. An ein großes Fest von vor über 20 Jahren kann ich mich noch erinnern. Man tanzte mit anderen, die man gar nicht kannte, zusammen auf der Straße. Die Innenstadt war voll und selbst die Seitenstraßen waren mit Buden belegt. Musikalische Untermalung durch gute Live-Musik (und keine Brüll-Techno) an jeder Ecke. Man hatte einfach nur an jeder Ecke Spaß. Man schloss Bekanntschaften oder auch gar schon Freundschaften. Die Kosten bewegten sich im Rahmen, dass auch noch Niedrigverdiener teilnehmen konnten. Diese Zeiten sind leider vorbei.

Mittlerweile hat die Welt sich massiv gedreht und in den letzten Jahren haben sich drastische Veränderungen in der Gesellschaft bemerkbar gemacht. Die „Ellenbogen-Gesellschaft“ macht sich bemerkbar. Jeder ist sich selbst der Nächste. Kein Wunder. Viele verdienen nicht mehr so gut wie früher (wenn sie überhaupt noch einen Job haben). Das Geld sitzt bei den meisten nicht mehr so locker wie früher. Familien müssen überlegen, für was sie noch Geld ausgeben möchten oder können. Der deutsche Überlebenskampf ist mit Schröders widerlichen Hartzreform (benannt nach einem Vorbestraftem) erst so richtig sichtbar und spürbar gemacht worden. Es musste so sein, wurde und wird noch immer argumentiert, doch weiterhin werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer.

Auch wird im Artikel erwähnt, dass die Leute schon fröhlich angetrunken zum Fest gehen. Das ist richtig. Aber der Trend zum „Anglühen“ war zwar schon immer da, aber nicht so massiv und verbreitet wie heute; so meine Beobachtung. Das gepflegte Bier am Tresen wurde inzwischen durch hemmungslose Gruppen-Säufer abgelöst. Es lassen sich immer mehr Kleingruppen erkennen, die mit ihrer eigenen Kiste (selbst schon gesehen) und Flaschen durch das Land ziehen und frecherweise noch die Plätze an den Örtlichkeiten bei den Buden belegen. Wie soll ein Wirt das noch kontrollieren oder überhaupt gegenhalten können?

Auf der anderen Seite wurden die Preise von Veranstaltern auch in den Himmel gehoben. Für zwei Bier bekomme ich beim famila schon eine ganze Kiste voll. Muss das wirklich sein? Auch eine Bratwurst kostet mittlerweile ein -zig faches mehr als sie sonst im Einkauf kosten würde. Klar, muss ich die Kosten für alles andere mit berücksichtigen, aber ich bin mir sicher, dass einige sich hier auch gnadenlos bereichern. Es geht um Spaß und doch nicht am Ende nur ums Geldverdienen. Gerade die hiesigen Unternehmen sollten da ein gutes Beispiel abgeben können.

Zwischenfrage: Warum verteilt man nicht vorher Getränke und Essen-Gutscheine zum vergünstigten Preis. Die „Abendkasse“ bleibt dann für alle andere normal im Preis. Aber es wäre ein Anreiz, dass mehr Gäste kommen, man besser kalkulieren könnte,  und es sich viele dann auch leisten könnten, mal ein paar günstige Bier zu trinken und ein paar Würstchen mehr zu essen..

Darüber hinaus bestimmen jetzt auch noch andere zum Teil das Stadtbild. Politisch korrekt müssen sich jetzt viele Partygänger und Schausteller auf der Amüsiermeile benehmen können, damit andere, auch teils verschleierte, Gäste sich von deutschen Traditionen nicht brüskiert fühlen müssen. Auf der anderen Seite werden deutsche Frauen zum Freiwild, wenn sie sich auf der Straße bewegen. Selbst wenn die Polizei einschreiten muss, wird aus politischen Gründen diese Nachricht in der Zeitung verschwiegen. Oder auch mir nur mal beim Friseur erzählt, weil dieser gerade zum Zeitpunkt vor Ort war und das mitbekam. Nazis und Antifa bestimmen die Boulevard-Blätter. Nicht aber kriminelle Migranten, deutsche Politiker und Wirtschaftsbosse. Wem muss man es noch alles recht machen? Während wir die fremden Kulturen bei uns integrieren, lassen wir die unsere vor die Hunde gehen.

„Viele Ursachen“ ist für mich also die eigentliche Antwort auf das „Warum“. Die Anfänge wurden mit den bekannten Diskotheken und anderen bekannten Lokalitäten gesetzt. Sir George, Eiche, H9, Haßmann, Victoria, Kaffeehaus Varel (die Rentner sollten sich noch an Platz-Konzerte am Waldrand erinnern können), Hafen-Fest (mit Flohmarkt, frischen geräucherten Fisch) usw.. Die erste Welle vom Sterbeprozess vieler guter Einrichtungen in Varel, wurde vor sehr vielen Jahrzehnten schon eingeläutet und vollzogen und von der Stadt nicht aufgehalten. Mit dem Abzug der Bundeswehr begann dann auch noch die letzte Welle vom großen Kneipen- und Einzelhändlersterben in Varel. All diese Geschehnisse drückten ihren erbarmungslosen Stempel auf die Stadt, der sich nun erkennbar für alle widerspiegelt.

Lange Rede, kurzer Sinn. Die großen schönen Feste in Varel wurden nach und nach in die Tonne der schönen Vareler Geschichte gedrückt. Die jetzigen sind jetzt nur noch ein schlechter und trauriger Abklatsch von dem, was und wie es einmal war. Kein Wunder, wenn nicht nur die Jugend hier in Varel keine gepflegten Örtlichkeiten mehr finden, sich nicht wohlfühlen und sich auch nicht mehr sicher fühlen kann, wie mir eine junge Frau berichtete.

Wie geschrieben, nur meine kurze gedankliche Meinung dazu…

Schlechte Nachricht Für Feierfreudige
Vareler Stadtfest fällt aus
Die Veranstalter sagen die Drei-Tage-Party in der Innenstadt ab, weil die Sponsorengelder nicht ausreichen. Ein Grund für die finanzielle Misere sei aber auch das geänderte Konsumverhalten der Besucher.
https://www.nwzonline.de/friesland/kultur/varel-schlechte-nachricht-fuer-feierfreudige-vareler-stadtfest-faellt-aus_a_50,1,1473265480.html

3 Antworten auf „Vareler Stadtfest fällt aus“

  1. Das Geld wird halt überall knapp. Die Innenstädte sterben auch überall. Nicht nur hier, das war auch in Detmold so…. und es wird überall fort schreiten. Kapitalismus im Endstadium.




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  2. Sehr schade für Varel und die Menschen, welche in dieser Stadt leben. Wieder ein Höhepunkt wegrationalisiert. Hätte man nicht etwas Anderes streichen können? Geht unsere „Kultur“ ( …auch wenn es nur eine Party ist) durch äußere Umstände in die Knie?
    Es ist traurig, wie sich unser Gesellschaft entwickelt hat.




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