Das Altenwohnzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Schortens

Ein Hort der vernachlässigten Pflege?

Oder schon eher ein Hort, um den Tod noch schneller erreichen zu dürfen? Ein Erlebnisbericht, der aufgrund neuer bekannter Tatsachen/Umstände hier nun publiziert wird.

Die Nordwest-Zeitung weiß in der Ausgabe am Samstag neues zu berichten:

 

VORWÜRFE GEGEN SCHORTENSER ALTENWOHNANLAGE
Altes Essen und vertauschte Medikamente
Ein Nervenkrieg: Bis Fe­bruar war Angelika Ratiborsky in der Pflegeeinrichtung untergebracht. Ihre Familie spricht von unhaltbaren Zuständen und holte ihre Mutter nach Hause. Die AWo weist alle Vorwürfe zurück. Was stimmt nun?
https://www.nwzonline.de/friesland/blaulicht/schortens-vorwuerfe-gegen-schortenser-altenwohnanlage-altes-essen-und-vertauschte-medikamente_a_50,6,556427616.html

 

Nicht zum ersten Mal. Schon früher gab es dort Missstände, die uns leider vorher nicht bekannt waren. Ansonsten hätten wir hier bestimmt nicht zugestimmt.

 

Missstände in Pflegeheim aufgedeckt
Über Monate sind Bewohner eines Altenwohnzentrums der AWo in Schortens (Kreis Friesland) offenbar nachlässig behandelt worden. Gegen die Leiterin und drei Angestellte sind rechtliche Schritte eingeleitet worden.
https://www.nwzonline.de/wirtschaft/weser-ems/nach-hinweis-missstaende-aufgedeckt-missstaende-in-pflegeheim-aufgedeckt_a_6,2,494704113.html

 

Danach war angeblich alles i. O.

 

AWo betrachtet Pflegeprobleme als gelöst
Mitte 2013 wurden Pflegeversäumnisse in der AWo-Einrichtung Heidmühle offenkundig. Ein halbes Jahr später beur­teilt der Medizinische Dienst die Einrichtung wieder mit 1,0.
https://www.nwzonline.de/friesland/wirtschaft/awo-betrachtet-pflegeprobleme-als-geloest_a_12,5,2519843197.html

 

Nun zu unserem Fall.

Es geht um unseren lieben Vater, der mittlerweile leider im Juli 2019 aufgrund seiner Krankheiten und den darauffolgenden Pflegefehlern, im Alter von 83 Jahren verstorben war.

Das Foto unten zeigt unseren geliebten Vater, zusammen auf seinem Spezial-Sessel und mit dem noch jungen Flecki, der dortigen Hauskatze. Er saß dort immer tagsüber, während er nachts in seinem Pflegebett (was daneben stand) lag.

Das Foto ist erst zwei Jahre alt. Hier war er zwar schon schwer krank, war aber teilweise noch aufnahmebereit und konnte sich teilweise auch anderen gegenüber mitteilen. Zwei Jahre später wurde er durch einen nicht selbst verursachten schweren Sturz in einer anderen Pflegeeinrichtung (Verfahren vor Gericht läuft noch) und den weiteren Geschehnissen zum völlig menschlichen Wrack.

 

Nach der Operation in ein Pflegeheim

Unser Vater (Pflegegrad 5) sollte nach einer Operation (im Januar 2018) im Krankenhaus Sanderbusch in ein nahes Pflegeheim zur Erholung übergeben werden. Man hatte ihn operiert, weil er damals nach dem ersten Sturz nicht mehr alleine Essen und Trinken konnte bzw. nicht mehr schlucken konnte und er deswegen dehydriert in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Es wurde ihm eine Magensonde, zur Ernährung über einen Schlauch, eingesetzt.

Dass der Auslöser noch eine ganz andere Ursache hatte und ebenfalls ein Skandal war, wird später noch als eine eigener Artikel dargelegt werden. 

Er sollte dann zur Erholung in die Kurzeitpflege nach Schortens gebracht werden, da er noch einen Krankenhauskeim intus hatte. Die Tortur sollte damit beginnen.

Ich bringe den Verlauf in dem Altenwohnheim von der AWO in Schortens jetzt so in die Öffentlichkeit, wie ich dies auch dem Anwalt mitgeteilt hatte und es auch der gegnerischen Partei überliefert wurde. Das anschließende Schmerzensgeld kann im Grunde nur als ein Witz bezeichnet werden, wobei sich der erste Anwalt (bevor wir diesen wechselten) für mich auch als solcher bezeichnet werden könnte.

Start ist die Einlieferung vom Krankenhaus in die Kurzzeitpflege


[…]

Verlegung in die Kurzzeitpflege von der AWO in Schortens/Heidmühle.

01.02.2018
Als wir abends gegen 18:30 Uhr eintrafen, um ihn dort wieder zu “begrüßen”, fanden wir unseren Vater im Bett vor. Unser Vater würgte mit einer Cherry-Tomate im Mund vor sich hin. Daneben lag eine ordentliche Käsestulle vor, die er natürlich ebenso nicht essen konnte. Ich rief sofort den Dienst zur Stelle. Diese Tomate wurde ihm sofort mittels zwei Fingern aus dem Mund geholt, damit er nicht daran ersticken musste. Man hatte ihm ein normales Abendbrot zubereitet, weil nicht bekannt war, dass er eine PEG hatte und daher nur Sondennahrung benötigte bzw. diese auch nur bekommen darf. Weiterhin war der AWO nicht bekannt, dass er einen Bruch im LWK hatte, wie man uns mitteilte.
An den folgenden Tagen trafen wir unseren Vater meist nur schlafend an. Die Pfleger erzählten uns, dass er aufgrund seines Darmkeims im Zimmer verbleiben müsste.
Wir fuhren jetzt alle zwei Tage hin, blieben aber nicht lange, weil unser Vater meist nur schlief und uns daher auch nicht weiter wahrnahm. Aus heutiger Sicht etwas merkwürdig zu sehen, sodass man vielleicht auch von einer bewussten Ruhigstellung mittels Medikamenten ausgehen könnte. Für uns eher ungewöhnlich, weil unser Vater in der Regel noch nie ein Langschläfer gewesen ist. Eine Mobilisierung wäre nicht erfolgt, so die Antwort auf unsere Nachfrage, weil er noch immer einen Darmkeim hätte. Das wurde zwar immer noch nicht ärztlich festgestellt, aber man wollte sich „kümmern“.

Di. 13.02.
In der Einrichtung. Vater machte einen, relativ den Umständen entsprechenden, guten Eindruck. Wir hatten mittlerweile bei der Verwaltung veranlasst, dass der Krankenrollstuhl in die Einrichtung kommt (sollte am Mi. dann abgeholt werden), damit er bald mobilisiert werden könnte. Auf die Frage nach einem Abstrich hieß es, dass es diese Woche noch vom Arzt geschehen solle ….

Am Do., den 15.02.
befanden wir uns in der Einrichtung und fragten nach den Clostridien und wegen der Mobilisierung. Man sagte, dass ein Abstrich genommen werden müsste. Allein um festzustellen, ob er davon frei wäre, bevor unser Vater sich frei im Rollstuhl (dessen Transport wir mittlerweile veranlasst hatten) im Heim bewegen dürfe. Laut Auskunft sollte dieses noch in der Woche geschehen.

Sa, den 17.02.
waren wir in der AWO-Einrichtung. Wir trafen unseren Vater hustend mit einem geröteten Gesicht an und bemerkten auch ein verschleimtes Atmen. Er reagierte nur schwer auf emotionale Einflüsse und teilweise liefen im Tränen über die Backe. Er konnte sich nicht mitteilen.
Wir fragten nach. Die Pflegeleitung erzählte uns, dass man unseren Vater am Freitag, den 16.02. “gebadet” (den Grund verriet man uns nicht) hätte und er seitdem leichtes Fieber hätte. Vielleicht bedingt auch durch die Anstrengung, weil er sonst die ganze Zeit nur gelegen hat. Ein Arzt wurde deswegen nicht konsultiert. Ebenso hatte sich ein Arzt bezüglich des Abstriches zur Untersuchung immer noch nicht gemeldet. Warum der Arzt nicht angefordert wurde, wurde uns nicht gesagt.

Mo., den 19.02.
Als wir abends in der Einrichtung eintrafen, hatte sich der Eindruck verschlechtert. Unser Vater atmete sichtlich schwerer, hatte ein gurgelndes Husten und zudem immer noch erhöhte Temperatur (38,4). Er reagiert nur schwer, wenn man ihn ansprach, und zeigte keine emotionale Regung mehr, wenn ich wie gewohnt meine Späße machte. Ich sprach die Leitung auf den verschlechterten Gesundheitszustand an und fragte auch, ob ein Arzt da gewesen wäre. Man antwortete mir, dass der Arzt seit einer Woche krank wäre. Auf meine Frage einer entsprechenden Vertretung dort und dass man sich doch kümmern müsste, rief sie nun in meinem Beisein das Ärztehaus (es gab dort offensichtlich noch andere Ärzte) an. Dort empfahl man ihr, 3 Tage lang, meinen Vater erst einmal weiter “zu beobachten”. Auf das Fieber von ihr angesprochen, eine Verabreichung von 500 Paracetamol (aufgelöst über die Sondennahrung). Ein Arzt würde nicht rauskommen.
Ich kontaktiere daraufhin meinen Bruder, da ich diese Art und Weise für sehr fragwürdig einstufte. Wir mussten davon ausgehen, dass unser Vater dort und weiter ärztlich unbehandelt, versterben würde.
Wir organisierten daher eigenständig und auf eigene Kosten einen Krankentransport über Sanderbusch und ließen unseren Vater am 21. 02 aus der Einrichtung holen und kündigten den Vertrag mit der AWO Schortens fristlos.

[…]

 


 

Dazu passend:

Pflegefall AWO Schortens – Das Gesundheitszentrum und der Arzt

 

Siehe auch Zusammenstellung unter:

Die heutige Pflege: Nur auf andere Art und Weise langsamer sterben



Ende von diesem Akt

Als wir ihn wieder zuhause hatten und der sonst vorher übliche Pflegedienst (Freie soziale Dienste in Varel) die Arbeit übernahm, waren sie entsetzt. War unser Vater doch von tiefen Wunden am Körper nahezu überzogen. Auch die hinzugezogene Ärztin hatte keine eindeutige Erklärung für diesen Zustand und die Wunden, welche sie im Arztbericht dokumentierte.

Wir waren davon überzeugt, dass hier nur eine mangelhafte Pflege die Ursache gewesen sein könnte. Es wurden vom Pflegedienst, allein schon zur eigenen Absicherung, Fotos für die weitere Dokumentation gemacht.

 

Tiefe, entzündete und eitrige Wunden, am ganzen Körper verteilt. Hier nur ein Beispiel, da man den Rest vom veränderten Menschen kaum wiedererkennt:

 

Wir hatten daraufhin die Heimaufsicht kontaktiert und den Fall gemeldet, wo auch der Medizinische Dienst hinzugezogen worden war. Es erfolgte eine Überprüfung des Fall, doch wollte man uns aus “datenschutzrechtlichen Gründen” keine Auskunft über das Ergebnis geben.

Sehr merkwürdig. Wenn doch alles in Ordnung gewesen wäre, hätte man es ja sagen können. Doch so scheint sich die Vermutung doch eher zu bestätigen, dass hier etwas vorgefallen und/oder festgestellt worden war, was unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit gehalten werden sollte.

Vielleicht, weil es sonst nicht viele Alternativen in der Nähe gibt. Denn schon damals war es schon schwierig einen Platz für unseren Vater zu finden, da die meisten Heime überfüllt waren und es nur noch Wartelisten gab.

Schlechte Online-Bewertungen

Die vielen weiteren Bewertungen im Netz sprechen auf jeden Fall eine andere, eine für mich eindeutige und deutlichere Sprache. Hier nur ein Screenshot mit der entsprechenden Quellenangabe darunter:

https://www.wohnen-im-alter.de/einrichtung/pflegeheim/schortens/awo-altenwohnzentrum-schortens-8197

 

oder hier, quasi identisch:

Quelle Screenshot: https://www.werpflegtwie.de/schortens/2172-altenwohnzentrum-der-awo-schortens/

 

Zufälle?

Fazit für mich

Ich bleibe daher dabei:

Es versterben mehr Menschen in den Pflegeheimen an mangelnder Pflege, als an ihren eigentlichen Krankheiten.

Dass die Arbeitskräfte dort alles geben mögen und sich aufopfern stelle ich überhaupt nicht in Abrede. Ganz im Gegenteil, ich habe Hochachtung vor deren Arbeit. Doch kann es nicht angehen, dass man ständig auf ein Kartell des Schweigens trifft.

Das Gesundheitssystem selbst ist krank. Die sozialen Kassen wurden und werden noch ständig geplündert. Leidtragende sind die Patienten, Heimbewohner und das Personal vor Ort, die (größtenteils noch) mit Freude in ihrem Job arbeiten, teilweise übermenschliches vollbringen müssen und trotzdem noch ein Lächeln auf den Lippen gegenüber ihren “Kunden” zeigen (müssen).

 


 

Natürlich hatte ich zu der damaligen Zeit, auch die Nordwest-Zeitung kontaktiert. Doch war der Fall wohl nicht interessant genug gewesen, dass man darüber hätte berichten wollte. Vielleicht lag es aber auch daran, dass der Fall Niels Högel (der Serienmörder im Krankenhaus) die Runde machte. Richtig viele Tote eignen sich eben mehr für Schlagzeilen.

Sicherlich hatten wir auch Fehler gemacht. Wir waren da wohl auch naiv und zu gutgläubig gewesen, auch in Sachen des damaligen ersten Anwalt, der uns später “verlassen” hatte. Wir hätten damals gleich Strafanzeige erstatten sollen, denn dann hätte man den Fall weiter untersuchen müssen. Vielleicht wäre es dann für die Nordwest-Zeitung endlich interessant genug gewesen.

 


 

Ich weiß nicht warum, aber mir fällt im Moment wieder ein Lied von dem begnadeten Cash ein.

Als unser Vater zum Schluss nicht mehr konnte, konnte er noch mit den Zehen seiner Füße zum Takt seiner Lieblingsmusik (er war ein Fan von der s. g. Schlager, Volks- und Blasmusik) wackeln.

Ein Lied blieb mir dabei in Erinnerung, weil er auch da “wackelte”, seine Mundwinkel sich verformten und ich leise ein “Jackson” dabei verstehen konnte….

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/zw3rvKFkoDY

 

…I don’t think I’ll miss you much
All the way to Jackson…

 

Lieber Vater, wir vermissen Dich trotzdem auf dem weiteren Weg, wenngleich dieser uns auch nicht nach Jackson führen sollte….

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7 comments on Das Altenwohnzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Schortens

    1. Ja, habe ich. Ich hatte aufgrund des o. a. Berichtes noch einmal der NWZ geschrieben und diesmal auch eine “bessere” Rückantwort bekommen. Ich stehe mit der Frau aus dem Bericht in Kontakt und mit einem Menschen von der NWZ, auf dessen Rückantwort ich jetzt ebenfalls warte. Auf jeden Fall gibt es zu dem Fall eine Menge Rückmeldungen. Einiges von dem, was ich jetzt schon weiß, ist für mich das Gegenteil von Pflege, also eher ein Skandal. Inwieweit sich weitere Angehörige (und Patienten) öffentlich als Betroffene outen und sich auch äußern würden, steht noch in den Sternen.

  1. Zur Info:

    Ich werde diesen Artikel weiter verfolgen. Das Thema ist für mich nicht abgeschlossen, da hier einiges verschwiegen bzw. vertuscht werden soll. Neue Erkenntnisse würden es mich stark vermuten lassen.

    Ich werde noch weitere Beiträge zu diesem Thema posten. Ich bitte auch um Zuschriften, gerne auch anonym. Nur so lassen sich solche Zustände vermeiden.

    Auf der anderen Seite habe ich auch erfahren können, wie einsam und verloren viele Patienten in solchen Heimen sind.Ohne Angehörige (oder Angehörige, die sich nicht (mehr) kümmern (wollen oder können), was leider sehr oft vorkommt) sind diese schutzlos allen ausgeliefert. Ich für meinen Teil, wünsche mir kein Lebensende in solch Heimen.

    1. Der sollte frei sein. Ist kein Plus-Artikel (so mein letzter Stand). Ich vermute, dass hier nur das Freikontingent überschritten wurde. Es dürfen nur eine bestimmte Menge von Artikeln bei der NWZ frei gelesen werden, danach kostet es was.

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